temperamente - cholericus


 

Der Schaffner

Der Zug, er bleibt stehen. Etwas liegt auf den Gleisen.
Das hat man davon, mit der Bahn zu reisen.

Die Sonne brennt heiß und die Luft drückt recht schwül.
Die Fahrgäste sauer, der Schaffner bleibt kühl.

Er kommt in’s Abteil und will Fahrkarten sehen.
Bei stehendem Zug, frecher kann’s wohl nicht gehen.

Eine Nachzahlung „klingelt“, seine Handys jetzt auch.
Dieser Opa jedoch, steht scheinbar nie auf dem Schlauch.

Ein Fahrgast schimpft laut. Er reagiert topp.
Für’n Endfünfziger macht er’n echt guten Job.

Groß und schlank harmoniert er die Uniform.
Graumelierte Beherrschtheit pflegt Würde zur Norm.

Doch auch meine Stimmung kommt bald unten an.
Obwohl ich dies längst nicht mehr leiden kann.

Mein Ego es winselt, ich treibs vor mir her.
Doch noch soviel Selbsthass. Der Reim zeigt es sehr.

Dieser Schaffner jedoch, hab bald es kapiert,
hat ganz nebenbei positiv inspiriert.

Ich lächle betroffen. Der Zug fährt jetzt an.
Erstaunlich, wie manches sich treffen kann.

Entspannung kommt auf. Der Ärger geht weg.
Ich machs mir gemütlich und mag meinen Fleck.

Die Sonne scheint weiter. Ich seh manchen Baum
in zeitloser Würde. Die Fahrt wird zum Traum.

Es scheint kaum zu fassen, genieß jeden Blick.
Die Zeit schwindet rasend. Berlin ist zurück.

German 09/06

 

 

 

© Norbert German Howainski 2005-2008 | Sponsored and Powered by AAC | aktualisiert am 14.12.2008
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