
Hundertdreißig der Jahre schien es schon her.
Solang weilte Goethe bei uns nicht mehr.
Dann war er doch noch mal aufgewacht.
Hatte sich auf den Weg in den Wald gemacht.
Die Sprache sollt' es ihm bald verschlagen.
Erst Fridolin wollte es neu für ihn wagen.
german 02/08
Ich ging im Walde
so für mich hin,
und nichts zu suchen,
das war mein Sinn.
Jedoch o weh! das, was ich fand,
ist meiner Klage Gegenstand:
ich fand im dunklen Waldrevier
Konservenbüchsen und Papier,
Papier, Papier und überall
vom Rost zerfressenes Metall,
zermalmt, verschmiert, verbeult, verdreht,
doch nicht vom Wind hierher geweht,
vielmehr von denen unentwegt
verstreut, verschüttet, hingelegt
und fortgeschmissen, taub und blind,
die sozusagen Menschen sind,
weil Säue (heisst es allgemein)
es nicht gewesen können sein
Hier traf ich haufenweise Schmutz
trotz Heimat- und Gewässerschutz
Den Dreck trifft man im Schweizerland
an manchem Wald- und Wiesenrand
und, wenn nicht dort, bestimmt seit je
in jedem einst so saubern See,
der, algengrün und rot vor Scham
sich deshalb längst das Leben nahm
und, wie das Lied hier expliziert,
nur noch als Leiche existiert ....
Ich ging im Holz so für mich hin,
und goethisch-heiter war mein Sinn,
jedoch o weh! er war's nicht mehr
nach all dem Unrat ringsumher
Fridolin Tschudi (1912-1966)
© Norbert German Howainski 2005-2008 | Sponsored and Powered by AAC | aktualisiert am
14.12.2008
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